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News / Deal mit Fragezeichen
Tobias Mündemann, Susanne Marell, Gabriele Stoewe, Astrid von Rudloff, Hans Ulrich Helzer (von links)
03.12.2015   News
Deal mit Fragezeichen
 
Die Übernahme von Ergo durch Edelman klingt sinnvoll. Aber bei den Ankündigungen und Versprechen der Akteure ist auch Skepsis angebracht.
Ein Kommentar von Daniel Neuen
Auf dem offiziellen Team-Foto, das die neu formierte Agentur Edelman.Ergo nach der Ankündigung des Zusammenschlusses verschickte, sieht Astrid von Rudolf nicht wirklich glücklich aus. Dort lächelt die langjährige Deutschland-Chefin von Weber Shandwick bestenfalls gequält. Womöglich hat sie ihren Posten als CEO (bislang bei Ergo) nur ungern gegen den Titel des "Chief Client Relations Officers" (künftig bei Edelman.Ergo) eingetauscht.

Aber klar: Hier schluckt der eine den anderen, hier verleibt sich Edelman, die umsatzstärkste PR-Agentur der Welt, die deutsche Top15-Agentur Ergo ein. Da kann es nicht nur Gewinner geben, auch wenn es bei Ergo heißt, von einer Degradierung Astrid von Rudloffs könne keine Rede sein, es handele sich um eine sehr wichtige Position.

Ebenso klar ist, dass die Akteure die Übernahme mit schönen Worten verkaufen. Und es stimmt ja auch: Rein von den Zahlen her betrachtet entsteht ein neuer Riese auf dem deutschen PR-Markt mit einem kombinierten Honorarvolumen von 35 Millionen Euro. Tatsächlich scheinen sich die bisherigen Konkurrenten gut zu ergänzen. Edelman ist hierzulande stark in den Bereichen Consumer-, Marken-, Healthcare-, Krisen und Digitalkommunikation. Ergo beherrscht Unternehmens- und Finanzkommunikation sowie Corporate Publishing am besten. "Buntes Gemüse" und "Schwarzbrot" kommen künftig also aus einer Küche.

Schwächen tilgen

Wahr ist aber ebenfalls, dass mit dem Zusammenschluss auch Schwächen beseitigt werden sollen. So war das Wachstum im Corporate- und Public-Affairs-Geschäft bei Edelman in Deutschland bislang eher überschaubar. Und Ergo hat schon bessere Zeiten gesehen. Der Versuch der Kölner in den vergangenen Jahren, an die wirklich lukrativen Aufträge im Bereich der Unternehmens- und Finanzkommunikation heranzukommen, muss als misslungen bezeichnet werden. In der Ankündigung der Übernahme heißt es wieder, dass die Topmanagement-Beratung und "die Beratung von Unternehmen bei Kapitalmarktfragen und in Sondersituationen wie Übernahmen, Krisen und Restrukturierungen weiter ausgebaut" werden sollen. Diese Segmente werden indes von den Edelberatern Hering Schuppener, CNC, Brunswick und FTI beherrscht - und das dürfte sich absehbar kaum ändern, auch wenn Edelman.Ergo nun Anschluss an spezialisierte Kollegen in New York und London hat.

Im Jahr 2013 war der Jahresüberschuss bei Ergo stark eingebrochen, 2014 ging der Umsatz zurück. Manch ein Wettbewerber spottete schon, Ergo sei auf dem absteigenden Ast. Das war sicher übertrieben, aber ein Verkauf der Agentur wäre zu einem früheren Zeitpunkt einträglicher für die Ergo-Oberhäupter Hans Ulrich Helzer und Tobias Mündemann gewesen.

Darüber war in den vergangenen Jahren immer wieder spekuliert worden. Helzer und Mündemann hatten das stets weit von sich gewiesen. In den vergangenen Wochen hatten gemeinsame Pitchauftritte von Edelman und Ergo die Gerüchteküche erneut zum Brodeln gebracht. Beide Agenturen dementierten konkrete Nachfragen mehrfach hart.

Vor diesem Hintergrund kann man für die insgesamt 350 Mitarbeiter nur hoffen, dass die Aussage, es werde keinen Arbeitsplatzabbau geben, weil die Überschneidungen der Agenturen nur gering seien, verlässlicher ist.
 

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