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Melanie Tamblé
08.10.2015   News
"Blogger wollen als Meinungsführer akzeptiert werden"
 
Influma.de ist der Name einer neuen Suchmaschine für Content und Influencer Marketing, die Agenturen und Unternehmen bei der thematischen Suche und Analyse der wichtigsten Beiträge und Influencer unterstützen soll. Melanie Tamblé, Geschäftsführerin des Influma-Entwicklers Adenion spricht im Interview über Influencer, Blogger und die neue Suchmaschine.

Mit Influma haben Sie eine Suchmaschine für Influencer Relations und Marketing kreiert. Was ist die Grundidee dahinter? Was sind die Unterschiede zu Angeboten wie Buzzsumo?

Die Grundidee hinter Influma ist, eine Verbindung von Content Marketing und Blogger sowie Influencer Relations zu schaffen. Für ein erfolgreiches Content Marketing ist es wichtig, Themen zu finden, die im Internet auch wirklich funktionieren. Gute Inhalte können jedoch nur funktionieren, wenn sie auch gesucht, gefunden, gelikt und geteilt werden. Dafür benötigen sie eine entsprechende Distribution durch Vernetzung und Interaktion mit wichtigen Influencern. Genau diese Möglichkeiten bietet Influma in einem übersichtlichen Tool für die Recherche, Analyse und Interaktion mit Inhalten und wichtigen Influencern als Meinungsführer und Multiplikatoren.


Schon bei der Themenfindung und Themenentwicklung für Content Marketing und PR können Influencer also eine wichtige Rolle spielen. Ich kann mir bei Influencern anschauen, welche Themen in der Community gefragt sind, wie die Community darauf reagiert, was sie kommentiert, welche Fragen sie stellt. Ich kann außerdem analysieren, welche Inhalte in welchen Kanälen am besten funktionieren. Mit dieser Analyse kann ich auf einflussreiche Inhalte Bezug nehmen, etwas Ähnliches schreiben oder mich direkt in den Dialog einbringen.

Dafür ist es wichtig, zu analysieren, welche Influencer es überhaupt zu meinen Themen gibt, das heißt wer welche Inhalte über welche Kanäle kommuniziert und welchen Einfluss die Influencer damit generieren. Wichtige Influencer für meine Themen können Mitbewerber, Medienkanäle oder eben potentielle Kooperationspartner als Markenbotschafter und Multiplikatoren sein. Influencer Marketing ist ein kontinuierlicher Prozess, denn täglich werden Millionen neuer Inhalte im Web publiziert, die für meine Themen wichtig sein könnten. Mit Influma lassen sich Influencer nach verschiedenen Kriterien recherchieren. 
Im Vergleich zu anderen Tools wie Buzzsumo bietet Influma nicht nur eine Suchmaschine, sondern auch ein Arbeitswerkzeug für die tägliche und nachhaltige Recherche, Beobachtung, Analyse, Vernetzung und Interaktion mit Influencern.

Kritiker haben Influma in ihrem jetzigen Stadium als reine Blog-Suchmaschine kritisiert. An welchen Verbesserungen arbeiten Sie aktuell und wo soll Influma in 12 Monaten stehen?

Ja, Influma war im ersten Stadium eine Blog-Suchmaschine, die vor allem das Ziel hatte, aktuelle Beiträge von Bloggern und Influencern über eine Themen- und Keyword Suche zu identifizieren und zu speichern. Inzwischen haben wir Influma um eine thematische Influencer Suche im Social Web erweitert. Ziel ist es, die Beiträge und Themen mit den verschiedenen Blogs und Social Media Profilen und Kontaktoptionen der Influencer zu verbinden, um so ein möglichst umfassendes Bild der Influencer darzustellen.
 Derzeit bietet unsere Datenbank über 2 Millionen Artikel von mehr als 150.000 Blogs und Online-Medien. Wir nehmen täglich rund 1.000 neue Blogs und Websites in unsere Datenbank auf, so dass die Datenmenge und Qualität kontinuierlich weiter steigt. Zusätzlich bieten wir Bloggern an, ihre Blogs mit ausführlichen Kontakt- und Themen Profilen bei Influma selbst anzumelden.


Insgesamt haben wir für Influma bisher sehr positives Feedback von unserer Community erhalten. Unser Schwerpunkt liegt vor allem auf deutschsprachigen Inhalten und hier sind wir führend im Vergleich zu anderen Content Marketing Tools wie Buzzsumo, die meist aus dem anglo-amerikanischen Markt stammen. 
In den nächsten 12 Monaten werden wir die Themenfülle der Influma-Datenbank weiter ausbauen und weitere Content-Quellen integrieren, darunter auch Video- und Bilder-Kanäle. Wir werden die Suchoptionen und Analysedaten weiter verfeinern und die Kontakt- und Profildaten der Influencer weiter ausbauen. Doch auch im jetzigen Stadium ist Influma ein fertiges und wertvolles Recherche und Analysetool für Content und Influencer Marketing. Ich selbst arbeite täglich damit für unsere eigene Influencer Strategie.

Zum Thema Influencer PR und Blogger Relations allgemein: Wie sehen Sie die Hauptaufgabenfelder für PR Agenturen und wie beurteilen Sie den Wissenstand hierzu in Deutschland?

In den USA gilt Influencer Marketing bereits als "The New King of Content". In Deutschland hängen die Entwicklungen in den Digitalen Medien erfahrungsgemäß um 4 bis 5 Jahre hinterher. Nach einer aktuellen Umfrage in unserem Influencer Marketing Webinar haben erst 3 Prozent der Teilnehmer eine Influencer Marketing Strategie, 63% nutzen noch gar kein Influencer Marketing und 35 Prozent nutzen Influencer und Blogger Relations nur sporadisch oder für einzelne Themen und Kampagnen. 
Das Hauptaufgabenfeld von PR Agenturen ist sicherlich die Strategieentwicklung, aber auch in der Recherche und Umsetzung des Influencer Dialogs können sich Agenturen neue Aufgabenbereiche erschließen. Influencer Relations ist eine logische Weiterentwicklung der Content Marketing und Online-PR Strategie und gehört damit in die Gesamt Kommunikationsstrategie eines Unternehmens. Blogger und Influencer Relations funktionieren nicht in einzelnen Kampagnen, sondern als kontinuierlicher Prozess der Recherche, Analyse und des vernetzten Dialogs über viele verschiedene Medien und Kanäle.
Eine wichtige Voraussetzung dafür, ist, zu definieren:
was die Influencer Strategie überhaupt erreichen soll,ein Portfolio an Themen und Keywords zu definieren, über die die richtigen Influencer mit den richtigen Themen überhaupt recherchiert werden sollen,In welcher Form der Dialog mit Influencern durchgeführt werden soll,Und vor allem: Was haben die Influencer davon?

Laut der ARD-/ZDF-Onlinestudie 2015 nutzen nur 5 Prozent der Deutschen Blogs. Wird das Themenfeld Blogger Relations unter diesem Aspekt nicht etwas unnötig gehypt?


Nein, diese Studie stellt nur einen kleinen Ausschnitt der Bedeutung von Blogs und Bloggern dar. Die Blogosphäre und das Social Web wachsen immer weiter zusammen und gewinnen gemeinsam immer mehr Bedeutung gegenüber den klassischen Medien. 
Laut des Nielsen Global Trust Surveys vertrauen 92 Prozent der Konsumenten den Online-Empfehlungen, selbst wenn sie die Empfehler nicht kennen. 70 Prozent vertrauen Online-Bewertungen mehr als den Werbeaussagen der Unternehmen. Gleichzeitig sinken die Mediennutzung und auch das Vertrauen in die traditionellen Medien.
 Laut der Social Journalism Studie 2014 recherchieren 79 Prozent der deutschen Journalisten im Social Web. 67 Prozent recherchieren gezielt auf Blogs und 37 Prozent haben sogar schon mal einen Blog zitiert. 
Influencer PR bzw. Blogger und Influencer Relations ist daher kein Hype, sondern eine logische Konsequenz aus der Medienentwicklung und eine wichtige Weiterentwicklung des Content Marketings und des Social Media Dialogs. Blogger und Influencer PR wird zu einem fundamentalen Instrument der Unternehmenskommunikation, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erzielen und Reputation im Web aufzubauen.

Man hört immer wieder, Blogger wollen keine Pressemitteilungen haben. Was sind ihre Erfahrungen hier? Inwieweit unterscheidet sich die kommunikative Ansprache von Bloggern generell von der der Journalisten?

Ja, das ist richtig. Sascha Lobo schreibt sogar auf seinem Blog ausdrücklich: "Ich möchte keine Pressemitteilungen bekommen, niemals, unter keinen Umständen, auch dann nicht, wenn Ihr Produkt nachweislich die Welt rettet, schon gerettet hat oder noch retten wird." Beim Thema Blogger Relations sollten Unternehmen und Agenturen alles vergessen, was sie über klassische Pressearbeit gelernt haben und was vielfach auch in der Kommunikation mit Journalisten falsch läuft. Denn, auch 95 Prozent der per Massenmail versandten Pressemitteilungen an Journalisten landen direkt im Papierkorb der Redaktionen. Journalisten strafen schlechte PR mit Ignoranz, Blogger wehren sich gegen schlechte Blogger Relations mit öffentlicher Kritik.

Der größte Kritikpunkt der Blogger ist, dass die Kommunikation immer noch per ungezielten Massenmailings passiert, die keinen Bezug zum adressierten Blog, geschweige denn eine Relevanz für die adressierten Blogger haben. 
Blogger erwarten eine andere Form der Kommunikation - den echten Dialog. Unternehmen und Agenturen, die Kontakt mit Bloggern aufnehmen, sollten sich vor allem die Frage stellen, was der Blogger davon hat. Blogger wollen ernst genommen werden, auf Augenhöhe kommunizieren und eine Möglichkeit der Selbstdarstellung haben, wenn sie über ein Produkt oder ein Thema sprechen. Sie wollen als Meinungsführer akzeptiert werden und ihrer Community einen Mehrwert liefern. Um Blogger zu überzeugen, sollten Unternehmen vor allem aufrichtig und transparent kommunizieren, ein ehrliches Interesse am Blog zeigen und dem Blogger einen echten Mehrwert liefern: Anerkennung, Austausch, Vernetzung und Zugang zu wertvollen Informationen sind oft wichtiger als eine monetäre Kompensation.

Interview: Oliver Hein-Behrens
 

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