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News / "Investigativredaktionen sind Haupteinfallstor für PR"
Klaus Kocks ist Geschäftsführender Gesellschafter der Cato Sozietät für Kommunikationsberatung. Quelle: Cato
04.11.2014   News
"Investigativredaktionen sind Haupteinfallstor für PR"
 
Klaus Kocks (Foto) liebt steile Thesen: Seine jüngste These, die er nun in einem Vortrag für die Konrad-Adenauer-Stiftung präsentierte, stellt den Anspruch der Königsdisziplin des Journalismus auf den Kopf: Ausgerechnet die Investigativ-Teams in den Redaktionen deutscher Medien seien "das Haupteinfallstor für PR", behauptet Kocks. Seine Begründung: Sie würden "mit kargen Mitteln in einem mörderischen Wettbewerb" um Aufmerksamkeit konkurrieren und seien "dankbar für jeden Rechercheanlass", den ihnen PR liefere.

"Ich weiß als Publizist, dass die investigativen Ressorts das Haupteinfalltor für 'schwarzes PR' sind und kenne zahlreiche Fälle, in denen sich die Redaktionen sich als vierte Gewalt wähnten, aber Handlanger einer fünften waren", so Kocks. "Schwarze PR", also planmäßig gestreute Informationen, wenn nicht gar Lügen, die jemanden in Misskredit bringen sollen. Die PR biete das Futter für die Enthüllung und steuere verdeckt. In einer Rede am vergangenen Wochenende in Wetzlar verwies Kocks beispielhaft auf die Rolle der Medien im Fall des Alt-Bundespräsidenten Christian Wulff.

Dabei ließ der Titel seines Vortrags, den er auf einem Seminar der KAS zu Ethik und Recht im Journalismus hielt, Gegenteiliges erwarten. "Journalisten machen kein PR" lautete er und war einer Forderung des "Netzwerk Recherche" entliehen, das bekanntlich die strikte Trennung von Journalismus und PR verlangt.

Doch Kocks dröselt in seinem Beitrag auf, wie sehr seiner Meinung nach Wunsch und Wirklichkeit auseinanderfallen, "professionelle Ethik" auf der einen und "tatsächliche Praxis" eines Berufsstandes auf der anderen Seite. "Wenn also Journalisten sagen, sie würden keine PR machen, so beschreibt das einen normativen Anspruch und eine Ideologie, aber ermöglicht noch keinen Rückschluss auf die Wirklichkeit und die Praxis", so Kocks. Der Vorwurf einer 'Medienkampagne' würde in allen Krisen von Medien geleugnet, weil Kampagnen ein Mittel von PR seien. "Man wird auch fragen wollen, wie es denn in der Praxis aussah, als keine Kampagne ein Opfer entehrte und die Blätter füllte. Wenn man ein richtungsgleiches, interdependentes, akzelerierendes und konformes Verhalten feststellt, handelt es sich faktisch um eine Kampagne."

Kocks' Fazit: Journalismus ist gewöhnlich PR. Er benennt vier Grundannahmen, die seine Beobachtungen mehr als regelhaftes Verhalten, denn als Ausnahme ausweisen sollen.

1. Indem Journalisten den Leerraum um Werbung herum füllten, betrieben sie PR für Verleger gegen Geld. "Der Kunde nimmt das Kombi-Produkt hin, weil er an dem Redaktionellen interessiert ist und dafür die Werbung tolerieren muss."

2. Journalisten seien bloße Verwerter dessen, was ihnen die PR gratis zuliefere. Sie bereiteten es lediglich auf und "geben als Redaktion aus, was letztlich PR ist".

3. Die Journalisten böten im Aufmerksamkeitswettbewerb eine Ware an, "die man Skandal nennt, zu deren Beschaffung man sich als 'investigativ' versteht". Ursprung des Skandals seien in der Regel die "Gegner des dabei Skandalierten", so Kocks.

4. Das, was Journalisten als "Vierte Gewalt" verstünden, sei nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. "Das ist mehr Anspruch als Wirklichkeit. Das ist normativ und nicht empirisch. Das ist nicht gesellschaftliche Praxis, sondern Sonntagsrede."

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