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Thomas Müller, Chef der Kölner Agentur Die PR-Berater
13.02.2018   Wissen & Praxis
"Image ist keine Frage des Rechts"
Das Interview mit Medienanwalt Ralf Höcker im PR Report sorgt für Gesprächsstoff. Thomas Müller, Chef der Kölner Agentur Die PR-Berater, wollte Höckers Äußerungen so nicht stehen lassen. Er kritisiert: Anwälte sehen viel zu oft Gefahren.
Der renommierte Kölner Medienanwalt Ralf Höcker äußerte im PR Report seine Kritik an den privaten Einblicken, die deutsche Top-Manager der Presse gewähren. Pointiert kritisiert Höcker die PR-Verantwortlichen dafür, die Persönlichkeitsrechte ihrer Vorstandsvorsitzenden für das Image des Unternehmens zu opfern. Durch die Selbstöffnung würden sich CEOs ihre Chance auf den Schutz ihrer Privatsphäre nehmen. Höcker hält ein Plädoyer, das Privatleben von Top-Managern zur Tabu-Zone zu erheben. (Tipp: Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des PR Reports. Einen Auszug gibt es hier: Warum Homestorys tabu sein sollten)
 
Macht das wirklich Sinn? Sicherlich fallen uns genügend peinliche Homestorys von Managern oder Politiker ein – Beispiele für schlechte PR-Arbeit oder fehlendes Gespür des Protagonisten. Höcker liefert mit dem Adidas-Vorstandsvorsitzendem Kasper Rorsted aber gerade ein passendes Beispiel für einen sinnvollen Einblick in dessen Privatleben. Wenn Rorsted, als oberster Manager eines Sportkonzerns, darüber berichtet, dass er fast jedes Wochenende zum Skifahren in die Berge fahre, dann verkörpert er mit seiner Kommunikation die Marke Adidas.
 
Die Aufgaben eines CEOs sind heute vielseitiger: Er oder sie repräsentieren die Marke und die Unternehmenskultur. In Zeiten immer anspruchsvollerer Verbraucher und einem Kampf um Talente reicht es nicht aus, sich als Vorstandsvorsitzender auf Strategien und Zahlen zu beschränken. Nicht selten beflügelt gerade das Private, das Persönliche eines CEOs die Phantasie von Anlegern.   
 
Spätestens seit Wilhelm von Humboldt wissen wir: Menschen neigen dazu die Welt aus der eigenen subjektiven Perspektive zu betrachten. Für Juristen scheint diese Perspektive besonders ausgeprägt. Ob in der normalen Unternehmenskommunikation oder im Krisen-Fall sehen sie viel zu häufig Gefahren statt Chancen. Risiken zu erkennen, bedeutet nicht, sie vermeiden zu müssen. Die Unternehmenskommunikation und die Top-Manager sollten abwägen, inwieweit mögliche Vorteile eines Einblicks in das Private Nachteile überwiegen.
 
Der juristische Blick ist immer nur eine Sichtweise auf die Aufgabenstellung. Und ja, wenn die „FAZ“ falsch über ein Unternehmen oder sein Management berichtet, kann man auch die „FAZ“ verklagen. Keine Frage! Aber ist das sinnvoll? Gegendarstellung und eventuell Schadenersatz verbessern selten das Image der Betroffenen. Sie sorgen auch nicht dafür, dass die Redaktionen zukünftig besonders vorsichtig oder positiv berichten. Ein inhaltlicher Deal mit der Redaktion hingegen führt zu einem viel sinnvolleren Ergebnis.
 
Medienanwälte sind wichtige Partner der PR-Branche und der Unternehmenskommunikation. Allerdings reicht der juristische Blick nicht aus, um erfolgreich ein Image aufzubauen oder zu verteidigen.




Thomas Müller ist Gründer und Geschäftsführer der Kölner Agentur Die PR-Berater.


Tipp: Dieser Beitrag bezieht sich auf das Interview mit Ralf Höcker in der aktuellen Ausgabe des PR Reports. Darin geht es auch um "arrogante" Journalisten, fiese Tricks und das Märchen vom "Streisand-Effekt".
 
Tipp II: Inzwischen hat Ralf Höcker bei Facebook auf Thomas Müller geantwortet.
 

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