17.07.2014 |   Katrin Münch zu Gast beim LPRS

"Die sozialdemokratische Idee ist ein unglaublicher Motivator"

Katrin Münch
Katrin Münch

Katrin Münch, Abteilungsleiterin Kommunikation der SPD, war Ende Juni zu Gast im PR-Salon des LPRS – Leipziger Public Relations Studenten e.V. Hierbei gab sie den Studenten im Kamingespräch nicht nur einen Einblick in die Grundlagen der politischen Kommunikation, sondern berichtete auch über die Prozesse und Strukturen innerhalb der Regierungspartei SPD.

Frau Münch, Sie haben bereits viele Positionen im Bereich Kommunikation bei der SPD bekleidet. Wussten Sie schon zu Beginn Ihres Studiums, dass Ihr berufliches Ziel einmal die politische Kommunikation sein wird?

Katrin Münch: Als ich begann, Politikwissenschaften zu studieren, lag mein Fokus eigentlich darauf, zu erfahren, wie das politische System Deutschlands überhaupt funktioniert. Inhaltlich interessiert haben mich speziell Themen zur europäischen und internationalen Politik. Letztendlich muss ich allerdings sagen, dass mein Interesse für die SPD durch meine Mitgliedschaft in der Partei selbst geweckt worden ist, insbesondere durch mein Engagement in der Jugendorganisation Jusos. Genau so ist auch mein Interesse an Fragestellungen der politischen Kommunikation entstanden. Besonders spannend fand ich dabei Fragen wie: Wie kommuniziert eigentlich eine Partei, die SPD heißt? Wie funktioniert sie? Was treibt sie an und wie kommt sie zu neuen Forderungen und Positionen, die gesellschaftlich gerade diskutiert werden? So bin ich durch meine Ehrenamtsfunktion bei den Jusos letztendlich auf die Partei gestoßen und dann über eine Tätigkeit in der Parteizentrale zu dem Themenfeld politische Kommunikation gekommen. Direkt im Kopf hatte ich dies zu Anfang jedoch nicht.

Sie sind bereits im Alter von 22 Jahren in die SPD eingetreten. Inwiefern spielt die politische Identifikation mit der SPD in Ihrer Position eine Rolle? Sehen Sie die Möglichkeit, dass eine solche Position auch von einem Nicht-SPD-Mitglied ausgeübt werden könnte?

Also prinzipiell glaube ich schon, dass dies möglich ist und man nicht unmittelbar Mitglied einer Partei sein muss. Aber ich denke auch, dass es hilfreich ist, SPD-Parteimitglied zu sein. Einerseits, um die Organisationsstruktur zu kennen und zu wissen, mit welchen Ebenen man es zu tun hat und wie diese funktionieren. Andererseits aber auch, um zu verstehen, wie eigentlich die Parteiarbeit vor Ort funktioniert, wie sie aussieht und sich anfühlt und wo Verbesserungspotenziale liegen. Ich denke auch, dass es insbesondere für die Identifikation mit der SPD wichtig und ganz zentral ist, deren Grundwerte der Demokratie auch inhaltlich zu teilen. Dies ist übrigens auch ein ganz großer Motivator für meinen täglichen Job jenseits der Kernarbeitszeiten. All das, was über die normale Arbeitszeit hinausgeht, mache ich, weil ich die sozialdemokratische Idee voranbringen will. Ein unglaublicher Motivator, den ich natürlich auch nicht gerne missen möchte und der am Ende auch für ein gutes Ergebnis förderlich ist.

Wenn Sie sich den letzten Bundestagswahlkamp im Jahr 2013 in Erinnerung zurückrufen, was sind die konkreten Aufgaben bei der Planung einer derartigen Wahlkampfkampagne und in welchen zeitlichen Rahmen sind diese einzuordnen?

Die konkrete Planung beginnt normalerweise ein Jahr vor einer Wahlkampfauseinandersetzung. Natürlich müssen diese Planungen bereits auf einem gewissen Fundament aufbauen. Das bedeutet, dass man nicht im luftleeren Raum anfängt, sondern auch in Nicht-Wahlkampfzeiten bereits Tools aufgebaut hat, mit denen gewisse Strukturen geschaffen wurden, um Wahlkampf zu machen – der Ansatz des permanent campaigning. Die Fragen, die man sich in dieser Anfangsphase stellt sind folgende: Wer ist der Spitzenkandidat? Mit welchen Inhalten will ich Wahlkampf machen und mit welchen Formen? An welche Diskurse kann man wie sinnvoll anknüpfen? Was sind neue, innovative Mittel, die beim letzten Mal noch nicht eingesetzt wurden? Also auch: Was kann ich von anderen Wahlkämpfen und Organisationen außerhalb von Deutschland lernen? Was ist im Sinne einer neuen Dialogorientierung wichtig? Was muss alles im Portfolio vorhanden sein? Erst nachdem diese Fragen beantwortet sind, fängt man an, den Wahlkampf in gewisse Phasen einzuteilen. Das beginnt klassischerweise damit, dass man sich darüber verständigt, welche inhaltlichen Forderungen nach vorn gestellt werden sollen und welche Kandidatin oder welcher Kandidat an der Spitze der Kampagne steht. Dies muss nachfolgend an die verschiedenen Ebenen der Partei kommuniziert werden. Denn es bringt ja nichts, wenn nur wir in Berlin wissen, wie die Strategie aussieht – sie muss von der gesamten Partei geatmet werden. In der Hochphase des Wahlkampfs, sechs Wochen vor der Wahl, erreicht die gesamte gekaufte Kommunikation ihren Höhepunkt: Die Plakat-Großflächen werden belegt und die TV-Spots ausgestrahlt. Der Spitzenkandidat ist in ganz Deutschland mit vielen Veranstaltungen und Kundgebungen präsent. Da sich die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit zu dieser Zeit bündelt, bedarf diese Hochphase viel Vorarbeit. Bestenfalls greift dann eine Maßnahme in die andere und bewirkt die gewünschte politische Auseinandersetzung.

Was ist Ihre Einschätzung zum Thema Online-Kommunikation? Welche Rolle wird die Online-Kommunikation und Social Media in der Kampagne zur nächsten Bundestagswahl 2017 spielen?

Momentan liegt das Verhältnis von Offline- zu Online-Kommunikation bei der Partei geschätzt bei etwa 70:30. Wünschenswert wäre ein ausgeglichenes Verhältnis von 50:50. Offline-Kommunikation bleibt für die SPD aber weiterhin wichtig, weil sowohl unsere Wählerinnen und Wähler als auch unsere Anhänger nicht nur digital unterwegs sind. Genau deswegen nützt es uns auch nichts, wenn das eine Instrumentarium das andere vollständig ersetzt. Ich denke, man muss das Instrumentarium entsprechend der Zielgruppen, die mit den neuen Medien umgehen, sinnvoll ergänzen und anpassen. Da sind wir bereits auf einem guten Weg, dieser ist aber für den nächsten Bundestagswahlkampf durchaus noch ausbaufähig.

Wie kann man sich die interne Kommunikation mit einer halben Million Parteimitglieder vorstellen? Nach welchen Grundsätzen und Strukturen arbeiten Sie hier?

Es gibt klare Prinzipien der Kommunikation, die sich erst einmal daran orientieren, wie die Strukturen aufgebaut sind. Das bedeutet, dass nicht mit allen Mitgliedern gleichermaßen kommuniziert wird, sondern ein abgestuftes System vorhanden ist. Mitglieder, die eine Funktion innehaben – die Funktionäre – werden häufiger kommunikativ bespielt als reine Basismitglieder. Entscheidender Punkt ist aber auch das Erwartungsmanagement der Mitglieder. So wäre ein Basismitglied mit wöchentlichen Mailings sicherlich überreizt, was eine kommunikative Durchdringung erschweren würde. Zu bedenken sind weiterhin die unterschiedlichen Aktivitätsschwellen. Ungefähr 10 Prozent der Mitglieder sind besonders interessiert an Aktivitäten und können damit kommunikativ gut erreicht werden. Andere Mitglieder, bei denen das Aktivitätslevel eher niedrig ist, wollen lediglich informiert werden. Wir kennen unsere Mitglieder bei der SPD sehr genau und wissen, welche Aktivitäten sie entfalten und für welche Themen sie sich interessieren.

Interview: Tina Schmitt

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