20.12.2013 |   PR Career Center-Gründer Thomas Lüdeke über den Job-Einstieg

"Erwartungen richten sich immer mehr auf die Persönlichkeit"

Thomas Lüdeke diskutiert mit Leipziger PR-Studenten
Thomas Lüdeke diskutiert mit Leipziger PR-Studenten

PR Career Center-Geschäftsführer Thomas Lüdeke zu Gast beim LPRS: "Sprungbrett oder Sackgasse? - Tipps und Tricks für den Berufseinstieg in die PR" lautete sein Workshop-Thema. Ziel der Veranstaltung war es, die teilnehmenden Leipziger PR-Studenten für den Einstieg in die eigene PR-Karriere fit zu machen.

Herr Lüdeke, die PR-Branche macht es Einsteigern nicht immer leicht. Die Zugangswege sind vielfältig, der Markt wandelt sich ständig. Worauf kommt es beim Erklimmen der Karriereleiter an?

Thomas Lüdeke: Der Schlüssel zum Erfolg heißt: Nicht stressen lassen! Dennoch ist eine gute Vorbereitung, zum Beispiel auf Bewerbungsgespräche, unerlässlich. Wichtig ist, sich auf mögliche Fragen vorzubereiten, aber vor allem kommt es darauf an, Ruhe zu bewahren, gelassen zu bleiben und zu zeigen, dass man Lust auf den Job hat. Nur mit einer solchen Grundeinstellung schafft man es, seinen potenziellen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass man der richtige Kandidat ist.

Sind nun die ersten Hürden des Bewerbungsprozesses geschafft, folgt die Frage nach dem passenden Gehalt. Wie kann man sich auf ein Gehaltsgespräch vorbereiten?

Beim Thema Gehalt gibt es gerade bei Einsteiger-Positionen einen begrenzten Verhandlungsspielraum. Sowohl die Gehaltsvorstellungen als auch die Gehaltszahlung gehen in dieser Branche sehr weit auseinander. Gerade Einstiegsgehälter in Unternehmen und Agenturen fallen bei Jungakademikern sehr unterschiedlich aus. Deshalb ist eine gründliche Recherche im Voraus ein absolutes Muss. Um eine Orientierung zu bekommen, gibt es eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten: ob über Netzwerke, Alumni oder aus Gesprächen mit Freunden in ähnlichen Jobs. Wichtig ist, sich einen Überblick über die Gehälter in der Branche zu verschaffen, um dann eine realistische Einschätzung der eigenen Leistung vornehmen zu können. Erst nachdem man Näheres über das Unternehmen und den zukünftigen Job erfahren hat, ist man in der Lage, realistische Forderungen bezüglich des Gehalts zu stellen.

Und wie spricht man dann dieses Thema im Bewerbungsgespräch am besten an?

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass das Thema Gehalt in den Bewerbungsgesprächen erst einmal nicht die oberste Priorität für den Bewerber haben sollte. Gerade Einsteiger müssen sich vor Augen führen, dass nicht die Bezahlung im Mittelpunkt steht, sondern der Job an sich, der gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten sollte. Fixiert man sich zu stark auf das Gehalt, läuft man Gefahr, sich für den falschen Job zu entscheiden. In Bewerbungsgesprächen ist es in der Regel nicht notwendig, die Gehaltsfrage selbst anzusprechen. Vielmehr wird sie von Seiten des Arbeitgebers zu einem passenden Zeitpunkt aufgegriffen. Generell gilt: Das Gehaltsthema sollte spätestens beim zweiten Gespräch diskutiert werden und nicht erst, wenn man seinen Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Wichtig ist, dem Arbeitgeber die eigenen Vorstellungen mit auf den Weg zu geben, so dass am Ende beide Seiten zufrieden sind. Findet man nicht zusammen, kann man das Job-Angebot immer noch ablehnen.

Häufige Jobwechsel sind Karrierekiller. Jedoch wird auch gesagt, dass es kritisch sein kann, länger als drei Jahre im selben Job zu verharren. Wie merkt man, ob ein Jobwechsel angebracht ist?

Das macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man sich über einen längeren Zeitraum immer wieder mit den gleichen Themen beschäftigt, es keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt und man deshalb schon morgens unmotiviert in den Tag startet. Spätestens dann sollte man sich fragen, ob man in der richtigen Firma tätig ist oder den richtigen Job gewählt hat. Sowohl in Unternehmen als auch in Agenturen kommt es aber durchaus vor, dass Mitarbeiter ihr 10-Jähriges feiern und mit ihrem Job glücklich und zufrieden sind. Es ist schwierig, eine Daumenregel zu nennen. Sicherlich schadet es nicht, in seinem Berufsleben für mehr als einen Arbeitgeber gearbeitet zu haben, weil man dadurch seine Perspektiven erweitert und Erfahrungen sammelt.

Ist nun der Einstieg in den Traumjob gelungen, stellt sich die Frage, wie man sich am neuen Arbeitsplatz zu verhalten hat. Welche sind die 3 wichtigsten No-Gos der ersten 100 Tage im neuen Job?

Das erste No-Go: Die Kollegen unüberlegt mit Fragen zu überhäufen. Diese stehen erfahrungsgemäß oft selbst unter Zeitdruck. Als Einsteiger ist vieles neu, aber man muss auch ein Gespür dafür entwickeln, wo die Grenzen sind. Dabei sollte man darauf achten, dass man die Kollegen nicht von der Arbeit abhält, sondern sich selbstständig in Themen einarbeitet, gezielt nachfragt und auf diese Art und Weise auch sein Standing erarbeitet. Der zweite wichtige Punkt ist, dass man insbesondere als Einsteiger in den ersten 100 Tagen nicht belehrend auftreten sollte. Frische Absolventen sind hochmotiviert und wollen eifrig ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Aber überdurchschnittliches Engagement am neuen Arbeitsplatz kann auch falsche Signale senden. Daher mein Rat an den Absolventen: Nehmen Sie sich am Anfang etwas zurück und hören Sie aktiv zu. Treten Sie nicht zu übermütig auf und versuchen Sie das eigene Wissen zu reflektieren und schrittweise umzusetzen. Das dritte No-Go: Man sollte dem Arbeitgeber nicht das Gefühl vermitteln, dass man nur des Geldes wegen zur Arbeit kommt. Gibt es Kritikpunkte, sollten diese durchaus direkt geäußert werden. Dann kann man versuchen, Lösungen dafür zu finden.

Welche Erwartungen haben Arbeitgeber an junge Absolventen und wie lassen sich diese mit den Erwartungen des Nachwuchses in einen Konsens bringen?

Ich habe den Eindruck, dass bei vielen Arbeitgebern auf fachlicher Ebene eine hohe Zufriedenheit herrscht, weil es inzwischen im PR- und Kommunikationsbereich gut qualifizierte Absolventen gibt. Ich glaube, dass sich die Erwartungen der Arbeitgeber immer mehr auf die Persönlichkeit der Absolventen richten − das heißt verbindliches Auftreten, Zuverlässigkeit, Engagement und Interesse an bestimmten Themen sind gefragt. Außerdem wird eine gewisse Beschäftigung und Identifikation mit dem, was man tut, gefordert. Wichtig ist auch, sich auf Themen einzulassen, die vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt die spannendsten sind, sich aber sehr schnell zu spannenden Themen entwickeln können. Der eine oder andere Einsteiger hat damit erhellende Erlebnisse gehabt. Daher lohnt es, sich an dieser Stelle den Erwartungen des Arbeitgebers anzupassen.

Letzte Frage: Was sind die drei besten Karriere-Tipps, die Sie dem PR-Nachwuchs mit auf den Weg geben können?

Zum einen ist es notwendig, realistische Vorstellungen über die Erwartungen und die typische Denke der Arbeitgeber zu entwickeln. Nur so können gute Gespräche auf Augenhöhe geführt werden und nur so kann Vertrauen aufgebaut werden. Das sorgt wiederum dafür, dass man sich selbst in einer guten Verhandlungs- und Diskussionsposition wiederfindet. Karrieretipp zwei – und sicherlich das Schwierigste, wenn man noch nicht lange im Job ist: Gelassen sein und ab und zu auch mal cool bleiben! Mein Rat lautet daher, Bewerbungsgespräche, aber auch kleinere Probleme im Job sportlich zu nehmen. Man sollte sich nicht immer direkt das Schlimmste ausmalen. Und der dritte Punkt: Eine gesunde Portion Geduld mitbringen.

Interview: Carmen Sabrina Nasalean (Master Communication Management, Uni Leipzig)

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