19.06.2013 |   Digital-Journalism-Studie

Online vor Offline in der Berichterstattung

Apps als Monetarisierungsmodell sind einer Studie zufolge weiter im Kommen.
Apps als Monetarisierungsmodell sind einer Studie zufolge weiter im Kommen.

Online verdrängt Print - eine Vielzahl der Journalisten weltweit ist überzeugt, mehr Leser on- als offline zu haben. Dementsprechend hat sich die journalistische Arbeit verändert. "Digital first", heißt der Trend. Dies ist eine Erkenntnis der "Digital Journalism"-Studie von Oriella PR.

Eilmeldungen gehen zuerst ins Netz

39 Prozent der befragten Journalisten weltweit arbeiten schon unter dem "digital first"-Paradigma. Wenn Nachrichten reinkommen, warten sie nicht mehr bis zur nächsten Printausgabe, sondern veröffentlichen sie direkt online. Diese Zunahme des Digitalpublishing bringt für die Journalisten Vor- und Nachteile mit sich.

So sagen 46 Prozent, dass sie jetzt härter arbeiten müssen, da mehr Content erzeugt werden muss und Stories ständige aktualisiert werden müssen. In Deutschland arbeiten beispielsweise bereits 44 Prozent der Journalisten auf diese Art. Durch den Wegfall von Platz- und Seitenzahlbegrenzungen wird gleichzeitig auch mehr veröffentlicht. 43 Prozent sagten aus, dass neun von zehn ihrer Artikel publiziert worden seien.

Social Media verändert Recherche

51 Prozent der befragten Journalisten greifen weiterhin auf soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook zurück, um auf neue Stories aufmerksam zu werden - vorausgesetzt, die Quelle ist glaubwürdig. Auch zur Bestätigung von Themen, die gerade in Bearbeitung sind, greifen sie gerne auf soziale Netzwerke (42 Prozent) oder bekannte Blogs (37 Prozent) zurück. 

Pressemitteilungen reichen nicht

Dabei geht der Trend auch weg von vorgefertigtem Pressematerial als Quelle und hin zu Einzelgesprächen mit Pressesprechern oder Experten. Im Vergleich zu der gleichen Studie aus dem Jahr 2011 wird der Wandel deutlich: damals war die Pressemitteilung noch die erste Anlaufstelle für Informationen.

Deutsche Journalisten stechen hier hervor, sie setzen noch am meisten auf Pressemitteilungen, während Journalisten aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Russland und China den Kontakt mit Sprechern oder Experten bevorzugen.

Deutsche Journalisten sind wenig Twitter-affin

Social Media gilt unter Journalisten lange nicht mehr als bloßes Recherchetool, sondern auch zur Eigenwerbung. Mehr als die Hälfte der Befragten betrachten Blogs als dienliches Werkzeug zum Aufbau eines persönlichen Profils, 34 Prozent führen auch einen eigenen Blog.

Microblogging im Sinne von Facebook oder Twitter ist dagegen verbreiteter. 59 Prozent der befragten Journalisten nutzen Twitter. Deutsche Journalisten scheuen sich noch vor Social Media - gerade ein Drittel bekundet, über einen eigenen Twitteraccount zu verfügen.

Neue Geschäftsmodelle

Durch den Abwärtstrend in der Printindustrie ist die Monetarisierung des digitalen Journalismus ein wichtiges Thema. Die Studie stellt heraus, dass neue Geschäftsmodelle mittlerweile auch umgesetzt werden. Besonders Bezahl-Apps für Smartphones und Tablets hätten sich durchgesetzt, ihre Beliebtheit sei von fünf Prozent im Vorjahr auf acht Prozent gestiegen. Das gängigste Geschäftsmodell bleibe vorerst jedoch der freie Zugang, finanziert durch Werbeeinnahmen.

Für die Oriella Digital Journalism Study wurden 553 Journalisten aus 15 Ländern befragt.

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