17.07.2017 |   Social-Media-Muffel

Einfach nur peinlich

Stephanie Tönjes von der Deutschen Telekom
Stephanie Tönjes von der Deutschen Telekom

Werden Kommunikationsprofis, die sich Social Media verweigern, in Zukunft noch gebraucht? Stephanie Tönjes aus der Kommunikation der Deutschen Telekom kann sich das nur schwer vorstellen. Ein Gast-Kommentar.

Dürfen Kommunikatoren Social-Media-Muffel sein? Diese Frage hat Daniel Neuen vor Kurzem hier aufgeworfen. Eine Frage, die auch mich immer wieder umtreibt. Sie ist einfach zu beantworten, nämlich mit: "Ja!" Natürlich dürfen sie. Aber ist das professionell? Ist es zeitgemäß?

Ihr kennt sie bestimmt auch. Die Sorte Kommunikator, die sich der "neuen digitalen Welt" komplett verschließt. Bei mir sträuben sich allein schon bei der Bezeichnung "neu" die Nackenhaare.

Schauen wir uns beispielsweise Twitter an. Dieser Dienst existiert seit dem Jahr 2006. Richtig gelesen, das sind also ganze elf Jahre! Das ist für mich Zeichen genug, dass die Verknüpfung von Social Media und "neu" einfach nicht mehr funktioniert. Will ich damit sagen, dass jeder Kommunikator Social-Media-Enthusiast sein muss? Sicher nicht!

Oft liegt es schlicht und ergreifend an fehlenden Kenntnissen. Wie bewegt man sich am besten auf Plattformen wie Twitter, Facebook oder Instagram? Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn man erst allmählich hineinwächst. Voraussetzung dafür ist jedoch die entsprechende Haltung. Und diese befürwortende Einstellung vermisse ich bei vielen.

Es gibt sie noch viel zu häufig, diese Kommunikatoren, die nahezu damit prahlen, nicht auf Social-Media-Kanälen unterwegs zu sein. Dafür habe man doch Mitarbeiter. Die übernehmen das schon für einen. Außerdem habe man sowieso keine Zeit für diesen neumodischen Kram.

Keine Zeit? Ja, mit wem wollt Ihr denn noch reden, wenn selbst Journalisten heutzutage bevorzugt über soziale Netzwerke erreichbar sind? Wie verbringt Ihr stattdessen Eure kostbare Zeit? Das würde mich wirklich sehr interessieren.

Eine Frage der Haltung

Mir fehlt hier eindeutig die Bereitschaft, offen für Neues zu sein. So wie die Welt sich weiterentwickelt, müssen wir doch auch mit der Zeit gehen. Warum hat man sich für diesen Beruf entschieden? Vermutlich, weil es einem Spaß macht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, sich zu vernetzen, die Stimme zu erheben.

Warum fehlt plötzlich die Neugierde auf neue Wege in der Kommunikation? Das Interesse daran, sich mit neuen Menschen zu vernetzen? Wieso sieht man nicht das Potential, welches in sozialen Netzwerken steckt?

Stolz darauf zu sein, Social Media nicht zu nutzen, ist in meinen Augen ein absolutes No Go und zudem für einen Kommunikationsprofi einfach nur peinlich. Wie wollt Ihr andere Menschen beraten, wenn Ihr gängige Kommunikationskanäle nur vom Hörensagen kennt?

Kommunikatoren der Zukunft

Wie oft wird in der PR-Branche aktuell darüber spekuliert, wie wohl die Kommunikation der Zukunft aussieht. Da spricht man von Skills, über die ein Kommunikator verfügen sollte, über Bots, die womöglich die eigene Arbeit übernehmen.

Aber berücksichtigt doch bitte auch folgenden Aspekt: In der heutigen Unternehmenskommunikation ist die Positionierung des Vorstands eine Kernaufgabe. Bleibt das so? Auch die Vorstände werden künftig einen Generationenwechsel erleben. Dann sitzen in den obersten Etagen Menschen, die in der digitalen Welt groß geworden sind und die soziale Netzwerke selbstverständlich nutzen.

Stellt Euch nur vor, dass genau diese Vorstände die entsprechende Haltung haben und ihre Social-Media-Accounts selbstständig führen! Sich darüber selbst mit Stakeholdern vernetzen und die Botschaften senden, die sie für wichtig erachten - ohne Euch nach Eurer Meinung zu fragen! Exakt das wird in absehbarer Zeit passieren. Und wie wollt Ihr stolzen Social-Media-Verweigerer dann eure Vorstände beraten?

Wie Daniel Neuen es in seinem Artikel bereits treffend formulierte: "Früher ist (so hoffe ich) auch niemand PR-Chef geworden, der noch nie zuvor mit einem Journalisten gesprochen hat." Und schon gar nicht, wenn erst überhaupt kein Interesse daran bestanden hätte.

Erkennt das Potential und verliert den Anschluss nicht!

 

Tipp: Im Herbst starten wieder unsere PR Report Touren. Diesmal stehen Social Media und Influencer Relations sowie die digitale Transformation der Unternehmenskommunikation auf dem Programm. Seien Sie dabei!

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