20.06.2017 |   Uwe Kohrs antwortet Djure Meinen

"Unsere Regeln sind auf der Höhe der Zeit"

Uwe Kohrs
Uwe Kohrs

Nachdem eine Landesmedienanstalt ein saftiges Bußgeld gegen einen YouTuber verhängt hat, wird (wieder) über das Thema Kennzeichnung bei der Arbeit mit Influencern diskutiert. Letzte Woche forderte der Blogger-Experte Djure Meinen, dass die PR endlich Position beziehen und das Feld gestalten solle. Uwe Kohrs, Vorsitzender des Trägervereins des Deutschen Rats für Public Relations, der Ethikwächter der Branche, hält mit folgendem Gastkommentar dagegen.

Man hätte fast darauf wetten können. Kaum verhängt die Medienanstalt Hamburg ein Bußgeld gegen einen YouTuber wegen unlauterer Werbung, schon melden sich reflexartig die Experten mit der Forderung zu Wort, die PR möge endlich mal klar Stellung beziehen in Sachen Influencer Relations.

Der ein oder andere mag überrascht sein, aber die Branche verfügt über eine klare Haltung und Regeln, die für die Arbeit von PR-Leuten gelten. Und das nun wirklich nicht erst seit gestern.

Initiiert von den führenden Verbänden der Branche, liegt die Gründung des Deutschen Rates für PR 30 Jahre zurück. In dieser Zeit sind im Rat sowohl verbindliche Kodizes entwickelt worden als auch Fehlentwicklungen und Verstöße in der Branche untersucht und gerügt worden. Und unter der Führung von Professor Bentele ist die Arbeit des Rates auch heute noch ein wichtiger Beitrag zur Professionalisierung der Branche. Die Trägerverbände GPRA, DPRG, BdP und degepol garantieren immer noch die unabhängige Arbeit des Rates und nehmen damit ihre gestalterische Rolle in der Branche wahr.

Dies nicht zuletzt dadurch, dass die Kodizes für alle Verbandsmitglieder verbindliches Regelwerk sind. Und diese Regeln sind durchaus auf der Höhe der Zeit und schließen aktuelle Entwicklungen in der Branche ein. So steht gerade die Aktualisierung der Online-Richtlinien auf der Tagesordnung des Rates und bezieht dabei Influencer Relations mit ein.

Natürlich kann der Rat Fehlverhalten und schwarze Schafe nicht verhindern, aber er trägt zu einem professionellen Selbstverständnis einer Branche bei, die in der Vergangenheit viel zu häufig klare Haltung hat vermissen lassen. Die Reaktionen und Diskussionen in Sachen Blogger und Influencer Relations zeigen aber auch, dass der Rat ein Wahrnehmungsproblem hat und das hier akuter Handlungsbedarf besteht. Die verabschiedeten Kodizes müssen eine größere Rolle in der täglichen Arbeit von PR-Leuten spielen, damit die Branche mittelfristig aus der Rolle der Sammelstelle für sämtliche Problemzonen in der Kommunikationsindustrie herauskommt.

In der Zwischenzeit sollten sich die Experten, die sich so um den Ruf der PR sorgen, aber wenigstens etwas besser informieren, bevor sie mit den üblichen Pauschalvorwürfen an die PR um die Ecke kommen. In Sachen Regeln ist die Branche hier deutlich besser als ihr Ruf. Man sollte sie nur kennen und sich dann natürlich auch daran halten, egal ob analog oder digital.

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